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Axel Rudi Pell “Tales Of The Crown“

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Frontmann Axel Rudi Pell und seine Kumpanen müssen Workaholics sein, wie sonst lassen sich satte 17 Veröffentlichungen in 19 Jahren erklären? Viel zentraler ist jedoch die Frage, ob die leicht egozentrisch angehaucht benannte 5er-Kombo an die viel zitierten guten, alten Zeiten anknüpfen kann. Nach einer weiteren Balladen-Auskupplung („The Ballads III“), einem durchzogenen Studioalbum („Mystica“) und einer reinen Cover-Sammlung („Diamonds Unlocked „) wäre wieder einmal ein richtig gutes Studioalbum fällig.

Mit dem geradlinigen Midtempo-Opener „Higher“ geht's zwar nicht gerade hoch hinaus, dennoch weiss der Song mit einem guten Spannungsaufbau und einem Ohrwurm-Refrain, der von düsteren Orgelklängen atmosphärisch untermalt wird, zu gefallen. Der Refrain im von epischen Riffs eröffneten „Ain't Gonna Win“ frisst sich sogar noch schneller in die Gehörgänge, was nicht zuletzt dem druckvollen und dennoch unglaublich gefühlvollen Gesang Gioelis zu verdanken ist. Der Ami lässt auf dem ganzen Album keinen Zweifel daran, dass er er einfach immer noch kann. Fast so stark ins Auge bzw. Ohr fällt einem die hervorragende, wenn auch nicht sehr spektakuläre Gitarrenarbeit von Pell. Der Bochumer hat es sich natürlich nicht nehmen lassen, auch für die neuste LP gleich selber in Lead-, Rhythmus- und Akustikgitarren zu greifen. Ein paar zügige Zwischenparts, in denen Mike Terrana endlich einmal eine etwas höhere Frequenz auf die grosse Trommel zaubern kann, geben dem Song die nötige Abwechslung und Würze. Leider geraten die Deutschen um Klampfenmeister Pell mit „Angel Eyes“ dann endgültig in die Untiefen von eintönigem Midtempo-Fahrwasser und kommen daraus bis zuletzt nicht mehr heraus, abgesehen vom hübschen Uptempo-Brett „Buried Alive“ und der obligaten Ballade, „Touching My Soul“. Letztere präsentiert sich jedoch viel zu simpel, platt und durchschaubar, als dass sie wirklich grosse Emotionen wecken könnte.

Genau diese Geradlinigkeit ist es, die dem Album gehörig Wind aus den Segeln nimmt. Nicht nur im hüftstarren „Crossfire“ fragt man sich, wie oft uns die Norddeutschen eigentlich noch mit dem Refrain „belästigen“ wollen. Spätestens, wenn Stimmwunder Gioeli zum zehnten Mal ansetzt, die immer gleichen paar Sätze ins Mik zu hämmern, spielt man ernsthaft mit dem Gedanken, die Scheibe nicht einmal mehr zu Ende zu hören. Dass dies ein Fehler wäre, merkt man beim unverschämt groovenden „Riding on an Arrow“, das mit einem eingängigen, mehrstimmig gesungenen Refrain aufwartet, sowie dem besinnlichen „Northern Lights“. Mit dem schleppenden „Tales of the Crown“ ist den Jungens um Blondschopf Pell sogar ein ganz anständiger Titeltrack gelungen. Ferdy Dörnberg steuert hier ein paar atmosphärische Keys bei und zeigt eindrücklich, wie man das Tasteninstrument gewinnbringend in ein Hard-Rock-Lied einbaut. All diese Songs haben jedoch eines gemeinsam: so ungefähr nach dem dritten Durchlauf beginnen sie mächtig an den Nerven zu zerren.

Ein Wort muss ich zum Abschluss noch an die Produktion verlieren: schon lange ist mir kein Album mehr untergekommen, das dermassen mustergültig abgemischt und sauber produziert ist. Jedes einzelne Instrument ergiesst sich glasklar aus den Boxen und hat seinen Platz im Gesamtgefüge, selbst den Bass hört man angenehm präsent schnurren. Der gottähnliche Gesang von Gioeli ist sowieso über jeden Zweifel erhaben, wird an passenden Stellen mit einem hübschen Echo-Effekt belegt und fügt sich schlicht perfekt in die gelungene Toncollage ein.
Eingefleischte Fans des Bochumer Gitarrenhelden bekommen auf „Tales of the Crown“ zweifellos das geboten, was sie vom Altrocker erwarten. Ich bin nicht etwa so vermessen und fordere von einem Hard-Rock-Album so etwas wie Abwechslung ein, aber ein bisschen mehr Variation, mehr schnellere Parts und Wille zum Experimentieren hätten dem Werk gut getan. Schon nur die Refrain-Endlosschlaufen sorgen dafür, dass man das gute Stück kaum dreimal durchhören kann, ohne dabei Schreikrämpfe zu kriegen. „Tales of the Crown“ knüpft somit leider nicht an alte, bessere Zeiten an und vermag nicht an das nun auch schon vierjährige Über-Album "Kings And Queens" heranzukommen.

Trackliste:

1.Higher 7:18
2.Ain't Gonna Win 4:51
3.Angel Eyes 4:57
4.Crossfire 5:22
5.Touching My Soul 6:32
6.Emotional Echoes 5:07
7.Riding on an Arrow 5:55
8.Tales of the Crown 8:21
9.Buried Alive 5:42
10.Northern Lights 6:21

Cover: 
Veröffentlichungsdatum: 
27.10.2008
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